Die großen Lebensmittelkrisen in den 90er Jahren haben deutlich gemacht, welche Rolle nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte bei der Verbreitung einiger übertragbarer Krankheiten spielen. Diese Nebenprodukte dürfen nicht mehr in die Lebensmittelkette gelangen. Mit der hier vorgestellten Verordnung werden strenge Hygienevorschriften für den Umgang mit ihnen aufgestellt, um ein hohes Gesundheitsschutzniveau zu gewährleisten. Untersagt ist danach vor allem die Verfütterung tierischer Nebenprodukte an Artgenossen.

Die Verordnung (EG) Nr. 178/2002 bildet den Eckstein der neuen Gemeinschaftsvorschriften im Bereich der Lebensmittelsicherheit. Durch das Konzept „Vom Erzeuger bis zum Verbraucher“ soll sie auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse ein hohes Gesundheitsschutzniveau auf allen Stufen der Lebensmittelherstellungskette sicherstellen.

Tierische Nebenprodukte werden definiert als ganze Tierkörper, Tierkörperteile oder Erzeugnisse tierischen Ursprungs, die nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, einschließlich Eizellen, Embryonen und Samen. Es handelt sich dabei um mehr als 15 Millionen Tonnen Fleisch, Milcherzeugnisse und andere Erzeugnisse einschließlich Gülle. Dieses Material wird dann vernichtet oder verarbeitet und in vielen Bereichen einschließlich der Kosmetik- oder Pharmaindustrie sowie zu anderen technischen Zwecken wieder verwendet.

Nach den Lebensmittelkrisen der 90er-Jahre, wie z. B. der BSE-Krise (BSE = bovine spongiforme Enzephalopathie), hat sich gezeigt, welche Rolle diese Nebenprodukte bei der Verbreitung von übertragbaren Tierseuchen spielen. Der Wissenschaftliche Lenkungsausschuss, der sich aus acht unabhängigen wissenschaftlichen Sachverständigen zusammensetzt, kam damals zu dem Schluss, dass nicht als genusstauglich geltende Erzeugnisse tierischen Ursprungs nicht in die Nahrungskette gelangen dürfen. Außerdem kann die Fütterung von Tieren mit Proteinen, die durch die Verarbeitung von Tierkörpern derselben Tierart gewonnen wurden (Kannibalismus), ein zusätzliches Risiko der Verbreitung von Krankheiten darstellen.

Material der Kategorie 2

Material der Kategorie 2 umfasst folgende tierische Nebenprodukte:

  • Gülle sowie Magen- und Darminhalt;
  • alles Tiermaterial, das nicht zur Kategorie 1 zählt und bei der Behandlung von Abwässern aus Schlachthöfen gesammelt wird;
  • Erzeugnisse tierischen Ursprungs, die Rückstände von Tierarzneimitteln und Kontaminanten enthalten, wenn diese Rückstände den gemeinschaftsrechtlich festgesetzten Höchstwert übersteigen;
  • andere Erzeugnisse tierischen Ursprungs als Material der Kategorie 1, die aus Drittländern eingeführt werden und den tierseuchenrechtlichen Vorschriften für die Einfuhr in die Gemeinschaft nicht entsprechen;
  • andere als unter Kategorie 1 fallende Tiere, die nicht für den menschlichen Verzehr geschlachtet wurden;
  • Mischungen von Material der Kategorie 2 mit Material der Kategorie 3.

Material der Kategorie 2 außer Gülle darf in zugelassen Zwischenbehandlungsbetrieben für Material der Kategorie 2 zwischenbehandelt oder zwischengelagert werden. Dieses Material ist unverzüglich abzuholen, abzutransportieren, zu kennzeichnen sowie:

  • in einer zugelassenen Verbrennungsanlage durch Verbrennen direkt als Abfall zu beseitigen;
  • in einem zugelassenen Verarbeitungsbetrieb nach einer speziellen Verarbeitungsmethode zu verarbeiten, wobei das aus dieser Verarbeitung hervorgegangene Material gekennzeichnet und als Abfall beseitigt wird;
  • im Fall von Fischmaterial zu silieren oder zu kompostieren;
  • im Fall von Gülle oder von Magen- und Darminhalt, Milch und Kolostrum, sofern keine Gefahr der Verbreitung einer schweren übertragbaren Krankheit von ihnen ausgeht, a) als unverarbeiteter Rohstoff in einer Biogas- oder Kompostieranlage zu verwenden oder in einer technischen Anlage zu behandeln, b) auf Böden auszubringen;
  • in einer technischen Anlage zur Herstellung von Jagdtrophäen zu verwenden.

Material der Kategorie 3

Material der Kategorie 3 umfasst folgende tierische Nebenprodukte:

  • Schlachtkörperteile, die genusstauglich sind, jedoch aus kommerziellen Gründen nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind;
  • Schlachtkörperteile, die als genussuntauglich abgelehnt werden, die jedoch keine Anzeichen einer übertragbaren Krankheit aufweisen;
  • Häute, Hufe und Hörner, Schweineborsten und Federn von Tieren, die nach einer Schlachttieruntersuchung, auf Grund derer sie für die Schlachtung zum menschlichen Verzehr geeignet sind, in einem Schlachthof geschlachtet werden;
  • Blut von anderen Tieren als Wiederkäuern, die nach einer Schlachttieruntersuchung, auf Grund derer sie für die Schlachtung zum menschlichen Verzehr geeignet sind, in einem Schlachthof geschlachtet werden;
  • tierische Nebenprodukte, die bei der Gewinnung von für den menschlichen Verzehr bestimmten Erzeugnissen angefallen sind, einschließlich entfetteter Knochen und Grieben;
  • ehemalige Lebensmittel tierischen Ursprungs, außer Tisch- und Speiseabfällen, die aus kommerziellen Gründen oder auf Grund von Herstellungsproblemen oder Verpackungsmängeln nicht mehr für den menschlichen Verzehr bestimmt sind;
  • Rohmilch von Tieren, die keine Anzeichen einer übertragbaren Krankheit aufweisen;
  • Fische oder andere Meerestiere, ausgenommen Meeressäugetiere, die auf offener See für die Fischmehlherstellung gefangen wurden sowie bei der Verarbeitung von Fisch anfallende frische Nebenprodukte aus Betrieben, die Fischerzeugnisse für den menschlichen Verzehr herstellen;
  • Schalen von Tiereiern, die keine Anzeichen einer übertragbaren Krankheit aufweisen;
  • Blut, Häute, Hufe, Federn, Wolle, Hörner, Haare und Pelze von gesunden Tieren;
  • andere Küchen- und Speiseabfälle als zur Kategorie 1 zählende.

Material der Kategorie 3 darf nur in zugelassenen Zwischenbehandlungsbetrieben für Material der Kategorie 3 zwischenbehandelt oder zwischengelagert werden.

  • Dieses Material ist unverzüglich abzuholen, abzutransportieren, zu kennzeichnen und:
  • durch Verbrennen in einer zugelassenen Verbrennungsanlage direkt als Abfall zu beseitigen;
  • als Rohstoff in einem zugelassenen Heimtierfutterbetrieb zu verwenden;
  • in einem zugelassenen Verarbeitungsbetrieb nach einer speziellen Verarbeitungsmethode zu verarbeiten, in einer technischen Anlage aufzubereiten oder in einer Biogas- oder Kompostieranlage zu verarbeiten;
  • im Fall von Küchen- und Speiseabfällen in einer Biogasanlage zu verarbeiten oder zu kompostieren;
  • im Fall von Fischmaterial zu silieren oder zu kompostieren.

ABHOLUNG / SAMMLUNG, BEFÖRDERUNG UND LAGERUNG

Tierische Nebenprodukte und verarbeitete Erzeugnisse mit Ausnahme von Küchen- und Speiseabfällen der Kategorie 3 werden abgeholt/gesammelt, befördert und gekennzeichnet. Das Regelungsverfahren betrifft die Kennzeichnung und Etikettierung von Rohstoffen der drei Kategorien, die Ausstattung der Fahrzeuge und Behälter, die Handelspapiere, die Genusstauglichkeitsbescheinigungen und die Beförderungsbedingungen. Für jede Beförderung wird eine Bescheinigung aufbewahrt.

Bevor tierische Nebenprodukte und verarbeitete Erzeugnisse versendet werden, muss der Bestimmungsmitgliedstaat die Annahme von Material der Kategorien 1 und 2 sowie von verarbeitetem tierischem Eiweiß genehmigt haben. Alle Sendungen tierischer Nebenprodukte werden auf direktem Weg zu ihrer Bestimmungsanlage befördert. Alle Informationen zwischen den zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten werden über das TRACES-System übermittelt.

 

Quelle: Europa.eu